Ob man nun will oder nicht: In den nordischen Ländern kommt man am Eurovision Song Contest nicht vorbei. Das gilt natürlich besonders für Schweden, das gefühlt jedes zweite Jahr gewinnt und wo der ESC fast schon eine Staatsangelegenheit ist. Aber auch in Finnland ist der Song Contest ein Riesenthema.

Ganz besonders in diesem Jahr, denn Finnland hat realistische Chancen auf den Sieg. Deshalb gibt es in dieser Sonderausgabe der Post aus Finnland alles, was du in fünf Minuten über den finnischen Beitrag und den ESC in Finnland wissen musst.

Und ja: Es gibt gute Gründe, den ESC zu boykottieren, auch in Finnland werden das viele tun. Falls dich das Thema gar nicht interessiert: Der nächste reguläre Newsletter kommt am Wochenende.

Wer tritt für Finnland an?

Beim finnischen Vorentscheid Uuden Musiikin Kilpailu (UMK) wurde mit überwältigender Mehrheit das Duo aus Violinistin Linda Lampenius und Sänger Pete Parkkonen ausgewählt, Finnland beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien zu vertreten.

Linda Lampenius ist eine klassisch ausgebildete Violinistin mit internationaler Karriere. Neben ihrer Arbeit als Musikerin trat sie unter anderem auch als Schauspielerin, Model und Politikerin in Erscheinung. Unter dem Künstlernamen Linda Brava hatte sie sogar einen Auftritt in der Serie Baywatch. Lampenius ist Finnlandschwedin und lebt seit vielen Jahren in Stockholm.

Pete Parkkonen wurde durch die finnische Ausgabe der Castingshow Idols bekannt. Nach mehreren Rockalben auf Englisch singt er inzwischen vor allem auf Finnisch.

Linda und Pete, getrennt von einem brennenden Fenster
Linda und Pete mit flammendem Auftritt. Foto: Sarah Louise Bennett/EBU

Wie ist Finnlands Song?

Der Song trägt den Titel Liekinheitin, auf Deutsch „Flammenwerfer“. Die Nummer verbindet dramatischen Pop mit treibenden Beats und großen Streicherarrangements. Inhaltlich geht es um eine leidenschaftliche Beziehung: heiß wie Feuer, kalt wie Eis.

Besonders lebt der Titel vom Wechselspiel zwischen Parkkonens Gesang und Lampenius’ Geigensoli. Weil das Instrument so zentral für den Auftritt ist, darf Linda Lampenius ihre Geige beim ESC ausnahmsweise live spielen. Die finnische Delegation hatte sich früh um eine Sondergenehmigung gekümmert.

Zur Performance gehört – wenig überraschend – eine explosive Bühnenshow mit viel Feuer. Und obwohl der Song komplett auf Finnisch gesungen wird und der Titel außerhalb Finnlands vermutlich kaum jemandem leicht über die Lippen geht, ist Liekinheitin (Musikvideo auf YouTube) ein ziemlicher Ohrwurm.

Wann tritt Finnland an?

Finnland muss sich zunächst erst einmal fürs Finale qualifizieren und geht heute im ersten Halbfinale an den Start. Darin treten 15 Länder an, Finnland geht mit Startnummer 7 ins Rennen.

Geht alles glatt, steht das Duo dann am Samstag, 16. Mai, ab 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit im großen Finale auf der Bühne.

Linda Lampenius spielt Geige vor einem brennenden Fenster
Feuerfiedlerin Linda Lampenius. Foto: Alma Bengtson/EBU

Wie sind Finnlands Chancen?

Sehr gut. Seit dem Sieg beim UMK liegt Finnland bei den Wettanbietern weit vorne und zählt auch nach den ersten Proben in Wien zu den großen Favoriten.

Natürlich heißt das noch nichts. Wettquoten lagen beim ESC schon oft daneben, und die aufwendige Performance muss live erstmal funktionieren. Aber alles außerhalb der Top 5 wäre inzwischen schon eine ziemliche Überraschung.

Wie schaut Finnland den ESC?

Erstmal: ziemlich spät. Wegen der Zeitverschiebung beginnt der ESC in Finnland erst um 22 Uhr und zieht sich bis tief in die Nacht. Bis der Sieger feststeht, ist es hier meist schon zwei Uhr morgens.

Die Halbfinals am Dienstag und Donnerstag sowie das Finale am Samstag werden vom finnischen Rundfunk Yle übertragen. Es gibt Kommentare auf Finnisch, Schwedisch, Englisch und weiteren Sprachen. Empfehlen kann ich besonders den englischen Kommentar von Jaakko Oleander, der einen trockenen Gag nach dem anderen raushaut. Einen kleinen Eindruck gibt es auf Instagram.

Pete Parkkonen sitzt vor einem Fenster
Schmachtstimme Pete Parkkonen. Foto: Alma Bengtson/EBU

Eine Besonderheit in Finnland: Alle Songtexte werden live untertitelt. So bekommen die Zuschauerinnen und Zuschauer ein Gefühl dafür, worum es in den Songs eigentlich geht – gerade jetzt, wo wieder häufiger in den jeweiligen Landessprachen gesungen wird.

Was, wenn Finnland gewinnt?

Dann heißt es natürlich: Torille! Auch wenn das Ergebnis erst tief in der Nacht feststeht, werden Menschen in ganz Finnland auf die zentralen Plätze strömen und feiern. Und natürlich gehört dazu auch das traditionelle Bad im Brunnen. In Helsinki werden die Brunnen bei solchen Anlässen teilweise vorsorglich abgesperrt.

Klar wäre auch: Der Eurovision Song Contest 2027 käme nach Finnland. Dass der Wettbewerb dann automatisch in Helsinki stattfindet, ist allerdings nicht ausgemacht. In den vergangenen Jahren hat sich Tampere mit der Nokia Arena als Austragungsort großer Events etabliert, dort findet auch der UMK statt.

Wie gut ist Finnland beim ESC?

Lange Zeit war Finnland beim ESC eher Außenseiter und musste oft um den Finaleinzug zittern. Die große Überraschung kam 2006 mit dem Sieg der „Monster-Rocker“ von Lordi.

Nach einer weiteren Durststrecke hat sich Finnland in den letzten Jahren zu einem der stärksten ESC-Länder entwickelt. Ein Highlight war der zweite Platz von Käärijä beim ESC 2023 (und seinen wir ehrlich, er hätte den Sieg verdient gehabt). Im vergangenen Jahr war Finnland gleich zweifach vertreten: mit Erika Vikman, die für Finnland antrat, und der Humorgruppe KAJ für das Nachbarland Schweden.

Es liegt ein bisschen in der Luft: Finnland wäre mal wieder dran. Also, wenn du auch nur ein bisschen etwas für den ESC übrig hast – einschalten!