Moi!
Anfang August ist eine komische Zeit. Während halb Deutschland gerade erst in die Ferien gestartet ist, sitzen in Finnland die meisten schon wieder im Büro. Als jemand, der ein wenig zwischen beiden Welten hängt, fühle ich mich mitunter wie im Jahreszeiten-Jetlag. Was ist denn nun mit dem Sommer? Ist er schon vorbei oder fängt er gerade erst an?
In Finnland ist die Sache klar, zumindest sprachlich. Der Juni ist der Sommermonat, denn er heißt genau so: kesäkuu. Mit dem Juni beginnen traditionell auch die Schulferien, die zweieinhalb Monate dauern.
Ganz so lange frei hat man als Erwachsener nicht, aber vier Wochen am Stück sind keine Seltenheit. Spätestens ab Mittsommer, der kürzesten Nacht des Jahres, schaltet Finnland kollektiv in den Urlaubsmodus. Die Städte sind wie leergefegt, das öffentliche Leben wird von Sommerjobbern aufrechterhalten – Schülerinnen und Studenten, die sich etwas dazuverdienen.
Doch ab Ende Juli legt sich eine gewisse Wehmut über das Land. Auch wenn das Wetter meist noch gut ist, ist jedem klar: Das süße Leben im Sommerhäuschen geht vorbei, der Alltag kehrt zurück. Unterwegs in Finnland sind dann fast nur noch Touristen – und wundern sich, dass so manches Sommercafé schon wieder zu hat.
Champagnerlicht
Je länger ich in Finnland lebe, desto mehr verschiebt sich auch meine Sommerzeitzone nach vorne. Es stimmt einfach: Der Juni ist der schönste Sommermonat. Wenn das Grün noch frisch ist und der Sommer ein Versprechen. Und dann ist da natürlich noch das Beste am finnischen Sommer überhaupt: die langen Tage!
Oft werde ich gefragt, wie man es erträgt, wenn es gar nicht mehr dunkel wird. Erstens stimmt das so gar nicht: Die Mitternachtssonne gibt es nur im äußersten Norden Finnlands; hier im Süden haben wir immer noch, wenn auch kurze, Nächte.
Und zweitens: Wie soll es einem schon gehen, wenn man jeden Tag zwei Stunden geschenkt bekommt? Wunderbar natürlich!
Stellt euch einen angenehmen Sommertag vor, nicht zu warm, nicht zu kalt. Und dann geht der einfach in die Verlängerung. Draußen sitzen bis Mitternacht, um halb elf noch aufs Rad steigen. Und das im schönsten Licht, das sich wie ein weicher Teppich aus Champagner über die Birken und Seen legt. Das ist für mich Lebensqualität und, ja: Freiheit.

Aber es gibt auch eine andere Seite.
Sommer kann auch stressig sein. Ja, fast schon belastend. Jedenfalls geht es mir so. Auch wenn die Tage endlos scheinen, weiß jeder in Finnland: Der Sommer ist kurz. Das baut einen gewissen Druck auf. Fahrradtour? Städtetrip? Nächster Nationalpark? Oder doch ins Museum? So viel zu erleben, so wenig Zeit.
Manchmal finde ich mich dann auf dem Sofa wieder und mache am Ende gar nichts. Aber es ist nicht das angenehme Auf-dem-Sofa-Liegen wie im November, wenn man es sich guten Gewissens gemütlich machen kann. Niemand erwartet etwas von einem Novembertag. Aber so ein sonniger Tag Anfang Juli? Den muss man nutzen, denn morgen kann es ja schon wieder regnen. Und dann kommt der Herbst.
Die Kunst des Nichtstuns
So war es auch in diesem Jahr. Erst war ich in Europa unterwegs, um für mein anderes Projekt, die Zugpost, zu recherchieren. Dann hatte ich Familienbesuch hier, der mich auf Trab hielt. Und nun … tja, nun steht noch ganz viel auf meiner Liste – für verdammt wenig Sommer, der jetzt noch übrig ist.
Ich habe mal wieder Sommerschlusspanik.
Vielleicht kann ich mir hier von den Finnen was abschauen. Weg mit den hohen Erwartungen. Eine Sauna, in der das Feuer prasselt. Ein See, in den man hüpfen kann. Ein Wald, in dem auch in diesem Jahr wieder die Pilze sprießen. Was braucht man mehr zum Glücklichsein?
Aber, und das ist das Gute: Wir kommen nun langsam an den Punkt, an dem ich den Sommer gehen lassen kann. Und mir fällt wieder ein: Auf die schönste folgt ja nun die allerschönste Zeit des Jahres!
Gestern habe ich für mein Geburtstagswochenende im September den Nachtzug nach Lappland gebucht. Ich kann jetzt schon diese besondere Energie riechen, die dann in der Luft liegen wird. Es wird großartig.
Bis zum nächsten Mal
Sebastian 👋
P.S.: Ruhiger angehen lassen möchte ich es auch mit der Post aus Finnland. Künftig melde ich mich etwas seltener, dafür mit mehr Muße für die kleinen Geschichten, die man nicht überall liest. Den News-Teil lasse ich weg, Nachrichten gibt es schließlich schon genug.
Tasse der Woche ☕️
Heute feiern wir in Finnland den Mumin-Tag. Der 9. August ist der Geburtstag der Schriftstellerin Tove Jansson, die die nilpferdartigen Trollwesen und ihre Abenteuer im idyllischen Mumintal erdacht hat. Traditionell erscheint zu diesem Anlass eine neue Mumin-Tasse. Die bunten Tassen sind aus finnischen Haushalten nicht wegzudenken und beliebte Sammlerobjekte.
Passend zum ausklingenden Sommer trägt die diesjährige Ausgabe ein wunderbar melancholisches Herbstmotiv. Wer sich sein Exemplar sichern möchte, muss schnell sein: Die Stückzahl ist limitiert.
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