Finnland ist Landschaft, Finnland ist Natur. Selbst in den größeren Städten ist es nie weit ins Grüne. Und je weiter man nach Norden kommt, desto wilder wird es. In Lappland, dem nördlichen Drittel des Landes, gibt es bis heute ausgedehnte, teils unberührte Urwälder.

Geprägt wird Finnland von der Taiga – borealen Nadelwäldern, durchzogen von kristallklaren Seen. In den höheren Lagen Lapplands geht die Landschaft stellenweise in karge Tundra über. Mischwälder, wie man sie aus Mitteleuropa kennt, finden sich dagegen nur im äußersten Südwesten.

Das sind die fünf wichtigsten Landschaftsformen Finnlands.

Seen

See mit spiegelnden Wolken
Ein Sommermorgen im Nationalpark Salamajärvi

Land der tausend Seen? Das ist glatt untertrieben. Rund 188.000 Seen gibt es in Finnland, kleinere Tümpel, Weiher und Pfützen nicht mitgerechnet. Die meisten liegen in der Seenplatte in Mittel- und Südostfinnland. Hier liegt auch der weit verzweigte Saimaa, der größte See von allen. Dahinter folgen der Päijänne, der Helsinki über einen gewaltigen Tunnel mit Trinkwasser versorgt, und der geheimnisvolle Inarisee in Lappland.

Finnlands Seen sind meist flach, verwinkelt und von unzähligen Inseln durchsetzt. Geformt wurde dieses Labyrinth aus Wasser während der letzten Eiszeit: Als sich die Gletscher zurückzogen, hinterließen sie Furchen und Senken, die sich mit Schmelzwasser füllten.


Wald

Pfad durch den Wald am See
Typisch finnischer Nadelwald im Nationalpark Hossa

Etwa drei Viertel Finnlands sind mit Wald bedeckt, das macht es zum waldreichsten Land Europas. Viele Wälder sind Wirtschaftsflächen, Holz und Papier zählen bis heute zu den wichtigsten Exportgütern. Im Norden gibt es noch größere Urwälder, die in den letzten Jahrzehnten nach und nach unter Schutz gestellt wurden.

Der finnische Wald wird von drei Baumarten dominiert: Kiefer, Fichte und Birke. Letztere ist der Nationalbaum Finnlands und wächst in allen Landesteilen. Weitere Laubbäume wie Erle, Linde und Ahorn finden sich vor allem in Süd- und Mittelfinnland. Im äußersten Südwesten wachsen auch Eichen, Buchen sucht man dagegen vergeblich.

Der Waldboden ist meist von Moosen und Blaubeersträuchern bedeckt. Wenn sich die Blätter im Spätsommer rot verfärben, wartet auch in den Nadelwäldern ein einmaliges Farbspektakel.


Moor

Moorlandschaft im Abendlicht
Moorlandschaft im Nationalpark Valkmusa bei Kotka

Deutlich weniger bekannt: Finnland ist auch ein Land der Moore. Über ein Viertel der Landesfläche besteht aus Feuchtgebieten. Im Süden dominieren Hochmoore, im Norden die weitläufigen Aapamoore, dazwischen liegt eine breite Übergangszone.

Viele Moore stehen heute unter Schutz, etwa in den Nationalparks. Dort wechseln sich Wälder, Seen und offene Moorlandschaften oft auf engem Raum ab. Auf schmalen Holzbohlenpfaden lässt sich das feuchte Sumpfland auch ohne nasse Füße durchqueren – oder im Winter auf Skiern.


Fjell

Wanderweg durch herbstlich gefärbtes Fjell
Tundraartige Fjell-Landschaft in Nordlappland

Finnland gilt als flaches Land. Und ja, alpine Riesen türmen sich nicht auf. Doch von wenigen wirklich flachen Küstenabschnitten abgesehen, ist das Land erstaunlich profiliert. Durch Südfinnland zieht sich eine Reihe eiszeitlicher Höhenzüge, die Salpausselkä genannt werden. Gerade im Seengebiet sorgen sie für stetes Auf und Ab.

Im Norden prägen Fjells die Landschaft: sanfte, rund geformte Berge, auf Finnisch tunturi, meist zwischen 400 und 800 Metern hoch. Ihre Gipfel sind oft kahl und windumtost. Wegen des subarktischen Klimas liegt die Baumgrenze deutlich niedriger als in Mitteleuropa.

Höher hinaus geht es nur im äußersten Nordwesten, wo Finnland einen kleinen Anteil am Skandinavischen Gebirge hat. Hier liegt auch der Halti, mit 1.324 Metern höchster Punkt des Landes.

⛰️
Schon gewusst? Zum 100-jährigen Jubiläum der finnischen Unabhängigkeit im Jahr 2017 gab es in Norwegen Überlegungen, die Grenze ein kleines Stück zu verschieben – und Finnland so einen etwas höheren Nebengipfel des Halti zu „schenken“. Am Ende blieb es aus juristischen Gründen bei der Idee.

Küste

Badehäuschen am Strand
Badehäuschen am Strand von Hanko

Finnland hat eine der längsten Küstenlinien der Welt, in Europa wird es nur von Norwegen übertroffen. Das liegt vor allem daran, dass die Küste so stark zerklüftet ist. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das im Schärenmeer, einem Mosaik aus Inseln, Felsen und Klippen, das sich von Turku bis zu den autonomen Åland-Inseln erstreckt.

Östlich schließt sich der Finnische Meerbusen an, der Finnland von Estland trennt und bis nach St. Petersburg reicht. Nördlich des Schärenmeers öffnet sich der Bottnische Meerbusen, der sich bis an die Küsten Lapplands zieht und oft bis weit ins Frühjahr hinein von Eis bedeckt ist.

Und ja, auch Sandstrände gibt es in Finnland, zum Beispiel in Yyteri bei Pori oder in Finnlands sonnigster Stadt Hanko.