Auf dem Papier hat Finnland die gleichen vier Jahreszeiten, wie du es aus Mitteleuropa gewohnt bist. Und doch ist alles ganz anders. Aufgrund der nördlichen Lage unterscheiden sich Frühling, Sommer, Herbst und Winter in ihrer Ausprägung und Dauer hier teils ganz erheblich. Die Extreme sind stärker, die Übergänge abrupter.


Frühling

Kirschblüte vor Dom von Turku
Irgendwann kommt er dann doch, der finnische Frühling

Der finnische Frühling ist eine Diva. Erst lässt er ewig auf sich warten, dann erobert er alles im Sturm. Im Norden kann es bis in den Mai hinein dauern, bis der Schnee geschmolzen ist. Im Süden verschwindet die Schneedecke inzwischen oft schon im März. Was sie freilegt, ist ein nasses, farbloses Land, in dem noch lange nichts wächst. Das Perfide: Die Sonne strahlt oft schon verlockend vom Himmel, doch der Wind, der durch die kahle Landschaft pfeift, lässt die Knochen klappern.

Irgendwann nach vappu, dem finnischen Maifeiertag, ist es dann endlich so weit: Quasi über Nacht bricht der Frühling über Finnland herein. Was eben noch braun und trostlos war, blüht, grünt und sprießt nun im Rekordtempo. Ein kurzes, intensives Spektakel – das man dank der inzwischen sehr langen Tage voll auskosten kann.

Mein Tipp: Der Frühling ist die schwierigste Reisezeit für Finnland. Zwischen Mitte März und Mitte Mai solltest du nur kommen, wenn du weißt, was du tust. Ende Mai und die ersten Junitage, also der eigentliche Frühling in Finnland, können dagegen richtig schön sein.


Sommer

Aussicht vom Fels auf einen See
Sommertag im Koli-Nationalpark

Finnlands Sommer ist ganz wunderbar. Die Tage wollen nicht enden, es ist angenehm warm und es herrscht eine herrlich entspannte Stimmung. Der offizielle Startschuss ist das Mittsommerfest, auf Finnisch juhannus, zur Sommersonnenwende um den 21. Juni – wenn die Tage am längsten sind und über dem Polarkreis die Mitternachtssonne scheint.

In Finnland weiß jeder: Der Sommer ist kurz, also muss man ihn nutzen. Im Juli fährt das Land kollektiv in die Ferien. Für die Finnen heißt das: Raus aufs Land, in die Sommerhütte, das mökki, irgendwo am See. Dort sitzen sie dann – meist ohne fließend Wasser, inzwischen immerhin mit Strom – und genießen das süße Leben. Schwimmen, Sauna, die Seele baumeln lassen. Und bald sind auch die ersten Beeren und Pilze reif zum Pflücken. Es könnte alles so schön sein, wären da nur nicht die Mücken.

Mein Tipp: Mit dem Sommer machst du auf deiner Finnlandreise nichts verkehrt. Alles ist geöffnet, die Tage sind lang und voller Leben. Gerade im Juli, dem Hauptreisemonat, kann es hier und da etwas voller werden. Im Juni und August ist es ruhiger, dafür hat manches touristische Angebot noch oder schon wieder geschlossen.


Herbst

Berg an einem See, im Vordergrund eine herbstlich gefärbte Landschaft
Herbstfarben am Saana-Fjell bei Kilpisjärvi

Eine unterschätzte Reisezeit. Gerade wenn der Spätsommer in den Herbst übergeht, ist es magisch in Finnland. Die Nächte werden dunkler, die ersten Polarlichter tanzen am Himmel. Und doch sind die Tage noch lang genug, perfekt zum Wandern und für andere Outdoor-Aktivitäten.

In Lappland wartet dann ein besonderes Spektakel: Ruska, der Rausch der Herbstfarben, der die Landschaft tieforange und feuerrot leuchten lässt. Wann die Ruska kommt, weiß man nie so genau, Mitte September ist aber ein recht sicherer Tipp. In Südfinnland gibt es oft bis in den Oktober hinein goldene Herbsttage. Wenn dann die Blätter gefallen sind, wird es matschig und grau – bis irgendwann der erste Schnee kommt.

Mein Tipp: Du kannst dich nicht entscheiden, ob du im Sommer oder Winter nach Finnland reisen sollst? Komm im September. Mit seinen Farben, dem weichen Licht und der besonderen Energie in der Luft ist er mein persönlicher Lieblingsmonat.


Winter

Schneebedeckte Landschaft mit Berg im Hintergrund
Ein Morgen im Frühwinter in Lappland

Der finnische Winter beginnt mit einem dunklen, aber gemütlichen Dezember. Rund um Weihnachten sind die Tage am kürzesten, hoch im Norden steigt die Sonne gar nicht mehr über den Horizont. Stockdunkel ist es in der Polarnacht aber nicht. Im Gegenteil: Es ist eher eine stundenlange Dämmerung, die den Himmel in schönsten Pastellfarben leuchten lässt.

Mit dem neuen Jahr beginnt der Hochwinter. Es gibt Schnee satt, die Temperaturen liegen oft im zweistelligen Minusbereich. Weil es eine trockene Kälte ist, erträgt man sie mit der richtigen Kleidung aber erstaunlich gut. Gerade der Februar, wenn die Sonne sich wieder länger zeigt, ist ein ausgesprochener Outdoor-Monat. Im Norden geht der Winter im März und April in die Verlängerung. Der sogenannte Frühlingswinter bietet perfekte Bedingungen für Wintersport: Lange Tage, angenehme Temperaturen und in der Regel noch ausreichend Schnee.

Mein Tipp: Der Winter ist und bleibt meine große Liebe. Lass dich von der Dunkelheit und den tiefen Temperaturen im Dezember und Januar nicht abschrecken, es ist eine stille, intensive Zeit in Finnland. Der Februar glänzt mit Schneesicherheit und längeren Tagen, allerdings läuft hier auch der Wintertourismus auf Hochtouren.